Aussprache

Eigentlich sind es nur Laute, die aus der Kehle dringen. Amplitudenmodulierte Signale, die in den Broca und Wernicke Arealen des Gehirns entstehen. Die durch Axone und Dendriten weitergeleitet werden. Luft, die durch die Glottis dringt. Verschiedene Spannungen dieser, die sie schneller oder langsamer schwingen lassen. Eine ganz einfache Technik also und doch ist das Ergebnis von einer solchen Tragweite, das man eigentlich etwas Bedeutsameres dahinter vermuten kann als ein schwingender Komplex aus Muskel und Knorpel.
Eine einfache, auf den Lauten aufbauende Konvention, trägt dazu bei, dass wir unser Lautmischmasch zu Worten formen und sie verstehen können. Zu einem Komplex, dessen wahre Macht den meisten Menschen absolut nicht klar ist. Worte sind die mächtigsten Waffen, die die Menschen jemals erschaffen haben.

Manche Dinge sollten nicht gesagt werden, manche wollen nicht gesagt werden und manche dürfen nicht gesagt werden. Und doch sind sie erzählenswert. Ein kleines Wort schon kann eine ganze Welt ebenso in sich zusammenbrechen lassen wie es dem Pflänzchen Hoffnung wieder Wasser geben kann. Eine nicht zu unterschätzende Macht steckt im Worte selbst und jeder ist in der Lage, sie unbedacht zu entfesseln.
Ein einfaches „Ich habe mich in dich verliebt“ kann vieles verändern. Es kann zerstören, was über Jahre gewachsen ist und das binnen weniger Sekunden. Es kann Kluften reißen, wo niemals welche waren. Aber es kann auch neues schaffen. Die Grenze zwischen Zerstörung und Aufbau ist genauso fließend wie die zwischen Genie und Wahnsinn. Dennoch sind es gerade diese Dinge, die eine Aussprache nötig machen. Sie müssen hinaus, ob wir wollen oder nicht. Die Frage ist also nicht, wie wir verhindern können, das Worte etwas zerstören, die Frage ist eher, ob wir dazu bereit sind, die Scherben aufzuwischen.

(c) Sebastian Peter Wiedemeier 2011
Advertisements