Rolle

Eigentlich ist es nur eine Rolle. Ein vorgefertigtes Kostüm aus sozialpsychologischem und biologischem Stoff. Man muss es anziehen. Verweigerung wird nicht toleriert. Ein Freak. Ein Ärgernis. Eine festgelegte Rolle für jeden. Jeder hat seinen Platz. Im Leben. Im Sterben. In der Gesellschaft. In der Familie. Im sozialen Umfeld. Alles wird durch Rollen definiert und Rollen definieren uns.

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Wenn denn die eigene Rolle dies zulässt. Nichts ist, was nicht in die Rolle passt. Und wenn doch, steht Ausgrenzung auf dem Spielplan. Ein Freak. Ein Ärgernis. Immer schön nach dem Drehbuch spielen. Fehler im Text vermeiden, wenn doch, bekommt man es souffliert. Spontanität ist zum Sterben verurteilt, wartend auf dem Scheiterhaufen der Gesellschaft.

Nur ein Rädchen im System und doch muss es funktionieren. Jeder, der nicht funktioniert, wird gemieden. Ein Freak. Ein Ärgernis. Ein Schandfleck in den Augen der Gesellschaft. Missachtet. Getreten. Getötet. Aus den Augen, aus dem Sinn. Was kümmert das Kollektiv die Bedürfnisse des Individuums? Alleine gegen den Rest der Welt. Verscharrt im dreckigen Boden. Eine neue Rolle. Ein neuer Sinn. Eine endgültige Rolle. Ein Statist im Spiel des Lebens. Keine Möglichkeit der Rehabilitation. Verschwundenes bleibt verschwunden. Dabei ist es nur eine Rolle.

(c) Sebastian Peter Wiedemeier 2011
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